5. März 2019

(Landschaftliche Entstehungsgeschichte in zwei Versionen)

Wir versetzen uns in der Erdgeschichte ca.10.000 Jahre gedanklich zurück. Zurück in die letzte Kaltzeit der – übrigens noch andauernden – känozoischen Eiszeit (Eiszeit ist ein Zustand an dem mindestens ein Pol der Erde vereist/vergletschwert ist). Umgangssprachlich und damit nicht ganz richtig wird diese Kaltzeit als „Weichseleiszeit“ bezeichnet .
Der fennoskandische Eispanzer des Nordpols – teilweise mehrere tausend Meter dick – schob sich bis in den heutigen brandenburger Raum ca. auf einer Linie der heutigen Städte Brandenburg an der Havel, Luckenwalde, Lübben und Guben, also innerhalb des nordostdeutschen Tieflandes.
Diese letzte Kaltzeit hat durch ihr Vordringen und Zurückweichen des Eises eine vielfältige Jungmoränenlandschaft hinterlassen. Typisch dafür sind frische, gut ausgebildete Formen der Glazialen Serie (Grundmoräne, Endmoräne, Sander und Urstromtal).

Dazu gehören die Urstromtäler mit Talsandflächen, in denen sich Abschnitte der heutigen Flussläufe von Elbe, Oder, Havel und Spree befinden. Wichtig wird hier das Baruther Urstromtal, das die Brandenburger Eisrandlage entwässerte. Als natürliches Ergebnis schaffte dieses schmelzende und zurückweichende Eis die wunderschöne Naturlandschaft der Spreewaldes, in welcher sich die Fließe – wie Priele im Meeressand – durch die grüne Landschaft graben. Der Beginn dieser Landschaft liegt nördlich von Cottbus – im Spreebogen – dort wo sich die Spree von der nördlichen Fließrichtung in Richtung Westen abkehrt. Dieses Gebiet der Spreeaue umfasst im Wesentlichen die heutigen Gemarkungen Döbbrick/Maiberg, Sielow und Dissen/Striesow, bevor sich die Spree in hunderte kleine Fließe im Ober-und Unterspreewald verzweigt.

Soweit die Erklärung der Geologen für diese wunderschöne Landschaft.

Die hier lebenden Sorben und Wenden haben eine andere Erklärung.

Vielfach gewunden und im Spreewald in Hunderte von Gräben zerteilt, fließt die Spree durch die weite Ebene der nördlichen Lausitz. Die Erklärung für diese einmalige Naturbildung fanden sie im Wirken des Teufels. Davon erzählt folgende Sage:

Der Teufel hatte sich einst zwei Ochsen genommen (es waren wahrscheinlich Auerochsen, die in dieser Auenlandschaft weideten, jedoch leider um 1600 ausgestorben sind) und sie vor einen gewaltigen Pflug gespannt. Damit pflügte er in der Spreeaue Höhe Dissen und Sielow das Spreebett auf. Die Tiere wollten aber nicht so recht nach seinem Willen geradeaus gehen. Erbost warf er die Mütze nach ihnen. Das aber machte sie nur noch störrischer, und sie zerrten die Deichsel einmal hierhin, einmal dorthin. Da hieb der Teufel mit seiner Peitsche auf die Tiere ein, doch diese traten ihn derart, dass er drei Meilen in Richtung Osten flog und in den, dort von Mönchen angelegten, Fischteich fiel. Seit dieser Zeit galt der Teufel als verschwunden und der Teich wurde forthin als Teufelsteich bezeichnet.

Die Ochsen jedoch rannten wild von links nach rechts in Richtung Lübben und zogen dabei den Pflug hinter sich her. Die von ihnen gezogenen Furchen füllten sich dann mit Spreewasser und der Spreewald entstand.

Wie der Teufel den Spreelauf schuf – Kak cart jo sprjewju woral
(Lied von “Folkskammer”)

Die Wasser im Spreewald, fließen kreuz und auch quer.
Wo die Jungen und Mädchen sich geben die Ehr.
Sie singen und tanzen, trinken Kräuterlikör,
wo die Fließe sich treffen – ihre Stimmen ich hör.

Die Fließe im Spreewald, fließen kreuz und auch quer
Eine Sage erzählt uns – es ist schon lange her –
was geschehn´ ist vor Zeiten im Lausitzer Land-
So will ich nun berichten, wie der Spreelauf entstand

Gleich bei Dissen, Sielow, Striesow die Spreeaue liegt
und der Teufel mit Rindern die Erde wohl pflügt.
Es waren große Ochsen – nach der Aue benannt
und der Pflug teilt die Schollen von fruchtbarem Land.

Die Ochsen waren müde, das Joch drückte hart,
doch der Teufel hat es eilig und in seiner Art,
fluchte lauthals und böse und zertrat seinen Hut,
zog die Peitsche und schlug auf die Tiere voll Wut.

Nun die Ochsen traten kräftig – drei Meilen flog er gleich,
durch die Luft zur Peitzer Festung in den großen Fischerteich.
Große Blasen macht das Wasser, er ging unter und verschwand.
Teufelsteich wird seit damals jenes Wasser genannt.

Doch die Ochsen liefen weiter, liefen schneller – gingen durch,
zogen mit dem Pflug im Schlepptau gar manche tiefe Furch´.
Mal nach Osten oder Norden – kreuz und quer ging die Tour
bis nach Lübben zum Schlosse – dies Gespann eilig fuhr.

Und die Gräben, die sie zogen, füllt die Spree bald bis zum Rand.
So entstand nach kurzer Dauer dies Spreewälder Land
mit Lagunen und Inseln zwischen Fließen so schön,
und mit Kähnen kann man fahren und auch über Brücken geh´n.

Die Wasser im Spreewald, fließen kreuz und auch quer.
Da geben sich Jungen und Mädchen die Ehr.
Sie singen und tanzen, trinken Kräuterlikör,
wo die Fließe sich treffen – ihre Stimmen ich hör.